Jobabbau weckt Rezessionsgespenster

Viele Ökonomen blicken skeptisch auf die Konjunktur: Die Entlassungswelle in Großkonzernen deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten zurückfallen könnte.

Mit Zuversicht tun sich führende deutsche Volkswirte derzeit schwer: Trotz verbesserter Kennziffern deutet das Ökonomen-Barometer von „Euro am Sonntag“ und n-tv auf Sicht von zwölf Monaten weiter auf eine mögliche Rezession hin.

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Das Ökonomen-Barometer von „Euro am Sonntag“ und n-tv auf Sicht von zwölf Monaten.

Obwohl das Barometer die Verluste des Vormonats im Juli nahezu wettmacht, sind die Experten in Sachen Wirtschaftsentwicklung eher pessimistisch gestimmt. Immerhin: Die Bewertung der aktuellen Lage steigt um 4,3 Prozent auf 52,1 Punkte und erreicht damit fast wieder das Niveau von Mai.

Seit Februar zeichnet sich damit nahezu eine Seitwärtsbewegung von Stand und Prognose ab. Die Bewertung der aktuellen Situation liegt weiter über der 50-Punkte-Linie, die ein Nullwachstum anzeigt. Anders ist das bei der Prognose: Diese ist seit Juni zwar um 7,9 Prozent gestiegen, liegt mit 45,9 Punkten aber weiter unter der 50-Punkte- Linie und deutet damit auf Sicht von zwölf Monaten in Richtung einer möglichen Rezession. „Die Lage wird leider derzeit immer düsterer“, sagt Ulrich van Suntum, Professor der Universität Münster. Er ist damit derselben Ansicht wie Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, der sagt: „Der Ausblick hat sich verschlechtert.“

Und das, obwohl die jüngsten Negativ-Nachrichten von BASF und anderen Firmen zum Zeitpunkt der Umfrage noch gar nicht publiziert waren. Der Chemieriese etwa rechnet für 2019 mit einem herben Ergebniseinbruch – das Umfeld ist rauer, als der Konzern es erwartet hatte. Krones, der weltgrößte Hersteller von Abfüllanlagen, strich seine Gewinnprognose um die Hälfte zusammen und kündigte einen Einstellungsstopp an.

„Die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe hält länger an als bislang erwartet und dürfte auf andere Sektoren überspringen“, sagt der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia. Hinzu komme ein relativ wahrscheinlich gewordener harter Brexit, der die deutsche Exportwirtschaft zusätzlich belasten würde.

Etwas zuversichtlicher klingt indes Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann: „Das zweite Quartal wird deutlich schlechter ausfallen als das erste Quartal, danach sollte es aber wieder aufwärts gehen.“

Ob die jüngst gemeldeten Entlassungen bei Dax-Konzernen wie Deutsche Bank, Bayer und Daimler tatsächlich ein angemessener Indikator für die allgemeine Beschäftigungsentwicklung in Deutschland sind, sehen die befragten Volkswirte unterschiedlich.

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Knapp die Hälfte der befragten Ökonomen hält sie für eine mögliche Richtungsentscheidung. „Deutschland läuft Gefahr, in eine Rezession zu laufen. Es sind nicht nur Großkonzerne, die Personal abbauen, auch kleinere Betriebe werden ihre Personalplanung reduzieren“, meint VP-Bank-Experte Gitzel. Friedrich Heinemann, Professor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim meint: „Dem Jobabbau in der Industrie steht ein weiterer Jobaufbau im Bau und in weiten Teilen des Dienstleistungssektors gegenüber.“

Die andere Hälfte der Befragten sieht die Entlassungswelle der Dax-Konzerne indes nicht als Vorboten der Arbeitsmarktentwicklung im Jahr 2019 insgesamt. „Die Konzerne sorgen für Schlagzeilen, aber beschäftigungspolitisch entscheidend ist, wie die mittelständischen Unternehmen die künftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung einschätzen“, sagt etwa Juergen B. Donges, Emeritus der Universität Köln.

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