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Elisa Hipp, Urner Wochenblatt

«Es braucht sehr viel Mut, gepaart mit Herzblut»

Was braucht es, um ein Start-up aufzubauen? Und wie macht man das im Kanton Uri? Stefan Baumann und Myriam Arnold von der Basis 57 erzählen.


Beim Aufbau eines Unternehmens mittendrin. Geschäftsführer Stefan Baumann war der erste Angestellte der Basis 57. Myriam Arnold ist zuständig für Marketing und Verkauf. Foto: Elisa Hipp

Beim Aufbau eines Unternehmens mittendrin. Geschäftsführer Stefan Baumann war der erste Angestellte der Basis 57. Myriam Arnold ist zuständig für Marketing und Verkauf. Foto: Elisa Hipp

Um die erste Frage zu beantworten: «Es braucht sehr viel Mut, gepaart mit Herzblut», sagt Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter Stefan Baumann. «Denn schliesslich fängt man bei null an. So anspruchsvoll das ist, so faszinierend ist es auch. Wir alle, die wir hier arbeiten, haben Pioniergeist.»

2007 war es, da hatte eine Interessengemeinschaft eine Idee. Im neuen Gotthard-Basistunnel wird Drainagenwasser – warmes Bergwasser – anfallen. Das sollte man nachhaltig nutzen – «nicht nur grün, sondern auch wirtschaftlich», erklärt Myriam Arnold, bei der Basis 57 zuständig für Kommunikation, Marketing und Verkauf. Doch wie? Eine Bierbrauerei wurde vorgeschlagen, ein Surfzentrum. Und dann eine Fischzucht. Der Grundstein der Basis 57 war gelegt. Was folgte, war viel unbezahlte Arbeit von Privatpersonen. Eine Menge Fragen galt es zu beantworten. Welche Fische sollen produziert werden? Wie viel darf man dafür verlangen? Was ist der Markt? Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde ins Boot geholt.

2013 wurde klar: Die Basis 57 darf das Land neben dem Nordportal erwerben und nutzen. Das Projekt wurde konkret, ein erster Geschäftsführer wurde im Mandat angestellt. Im März 2016 übernahm Stefan Baumann als hauptamtlicher Geschäftsführer und war damit der erste Angestellte der Basis 57. Heute hat diese fünf Mitarbeitende. 20 Vollzeitstellen sollen es einmal sein. Wie ist es, ein Unternehmen aus dem Nichts aufzubauen? «Anspruchsvoll. Am Anfang sind keine Strukturen da. Das fängt bei der Kaffeemaschine an und geht bis zu Arbeitsverträgen», antwortet Stefan Baumann. Und, fügt Myriam Arnold hinzu: Das Thema Finanzen sei omnipräsent, immer wieder sucht das Unternehmen daher nach neuen Aktionären. «Die Initialidee wird oft noch finanziert», so Stefan Baumann. Der weitere Schritt aber – von der kleinen Laboranlage zur grossen Fischzucht, da, wo besonders viele Kosten entstehen und die Risiken entsprechend zunehmen – sei oft schwierig zu finanzieren.

Doch daneben sei eine solche Aufgabe auch extrem vielseitig. Schliesslich beschäftigt man sich mit unterschiedlichsten Themen, von Finanzierungsfragen über Marktfragen bis zu den Erstellungsgrundlagen des Businessplans. Diese Vielseitigkeit war es auch, die Myriam Arnold bewogen hat, sich beim Start-up Basis 57 zu bewerben. «Ich habe das Potenzial, das die Basis 57 hat, gesehen.» Pioniergeist, Leidenschaft, Mut – Eigenschaften, die nicht nur die Mitarbeiter brauchen, sondern auch die Aktionäre, wie sie meint: «Dieses Projekt wird zu rund drei Vierteln von Urner Aktionären getragen. Sie glauben an das Vorhaben Fischzucht Erstfeld. Auch sie brauchen Mut.» Und sie identifizieren sich damit. Damit sind wir bei einem der grossen Vorteile eines kleinen Kantons wie Uri angelangt: Wer hier gründet, ist nahe an Behörden, an anderen Unternehmen, an der Bevölkerung. Das ist auch ein Tipp, den Stefan Baumann Neugründern mitgibt: Vernetzt euch. Holt Hilfe, wenn ihr sie braucht – niemand kann alles.

102 Firmen wurden laut dem Bundesamt für Statistik 2015 in Uri gegründet (2014: 120; 2013: 107). Zum Vergleich: In Luzern waren es 1803. Was wünscht sich ein Gründer in der Schweiz? «Etwas mehr Business-Angel-Kultur», antwortet Stefan Baumann. In den USA zum Beispiel herrsche eine Kultur, die risikobereiter sei, auch in Bezug darauf, etwas Neues zu wagen.

Die Basis 57 – sie ist noch immer ein Start-up. Bald wird die Zander-Satzfischzucht in Betrieb gehen, die Fischzucht 2020. Noch immer braucht es Mut und Pioniergeist. Das «Urner Wochenblatt» und die «Urner Zeitung




Elisa Hipp
Urner Wochenblatt