Artikel 12 - noch 142 Tage bis zur Uri 18

Erich Herger, Urner Wochenblatt

«Die Klischees sind rasch zur Hand – zu rasch»

Transit, Tell und Teufel. Föhn und Kopfweh. Stichworte einer Aussensicht. Uri berge auch viele Überraschungen und erfreue als «Freizeit-Terrain».


Alles ist schroff und liegt im Stotzigen – wie wird der Kanton Uri von Aussen gesehen? Foto: Erich Herger

Alles ist schroff und liegt im Stotzigen – wie wird der Kanton Uri von Aussen gesehen? Foto: Erich Herger

Uri, Urkanton, «die Seele der Schweiz», wie es die Uri-Tourismus-Organisation propagiert, «im Herzen der Schweiz», wie es die Volkswirtschaftsdirektion Uri ausdrückt. Weniger Einwohnerinnen und Einwohner hat nur der Kanton Appenzell Innerrhoden. Zehn Schweizer Kantone sind an Fläche grösser als Uri. Und: Es ist der einzige Kanton in der Schweiz, der in allen Amtssprachen Uri heisst.

Was kommt Medienschaffenden in den Sinn, wenn vom Kanton Uri die Rede ist, wenn sie Uri hören, wenn sie angefragt werden, ihre Aussensicht auf unseren Kanton Uri niederzuschreiben?

«Manchmal etwas knorrig …»
Jérôme Martinu, Chefredaktor der «Luzerner Zeitung» (LZ) und ihrer Regionalausgaben: «Der Kanton Uri. Tell, Gotthard, Autobahn und Sawiris? Die Klischees sind rasch zur Hand – zu rasch. Wer sich in der Zentralschweiz zu Hause fühlt, der wird den Gotthard-Kanton hoffentlich besser kennen als die Abertausenden von Transit-Deutschen und -Holländern. Denn Uri mit seinen manchmal etwas knorrig wirkenden, aber geselligen, offenen Menschen birgt viele Überraschungen. Natürlich ist Uri, mit unserer Redaktion in Altdorf, auf meinem journalistischen Radar. Und der Besuch auf der Göscheneralp anlässlich einer Projektbesichtigung für die LZ-Weihnachtsaktion bleibt unvergessen. Uri ist aber auch ‹Freizeit-Terrain›: Kurzwanderung Seelisberg-Bauen, verlängertes Wochenende im Gebiet Biel-Kinzig, fantastische Tour ab Attinghausen via Surenenpass – gerne mehr davon!»

Apfelschuss und Blechlawine
Winfried Kösters, Bern, stellvertretender Chefredaktor der Schweizerischen Depeschenagentur (sda): «Der Kanton Uri ist einer der drei Urkantone der Schweiz. Das Gründungsjahr der Eidgenossenschaft 1291 ist untrennbar mit Uri verbunden. In Altdorf steht das Telldenkmal, bekannt weit über Kanton und Stadt hinaus. Das gilt besonders auch für den Schweizer Freiheitskämpfer und Nationalhelden Wilhelm Tell. Die Sage vom Apfelschuss ist weltberühmt. Heute ist der Kanton Uri eine wichtige Durchgangsstation zwischen Nord- und Südeuropa. Die Blechlawinen vor dem Gotthard-Nordportal sind legendär. Der Kanton Uri ist eingeschlossen von Bergen, mit einem wunderschönen See im Zentrum. Und schliesslich ist es der Föhn, der bisweilen heftig von Süden über die Alpen weht und für Kopfweh sorgt.»

Akuter Mangel an Fernsicht
Lucas Huber, Egerkingen, Kanton Solothurn, Redaktor des Service-Magazins Kiwanis: «Denke ich an Uri, denke ich an Mythen von Teufeln und Armbrustschützen. Ich denke an Transit, an die Alpen und einen akuten Mangel an Fernsicht. Ich denke an nie ermüdenden Wind, ägyptisches Kapital und ‹Ryys unt Boor› an Butter, dass es einen schwindelt. Ich denke an einen herzerwärmenden Dialekt und also unsere Freunde auf dem Haldi, die vielleicht die herzlichsten der Welt sind und die wir nur mit der Luftseilbahn erreichen. Uri, das ist, ihr Name verheisst es: die Urtümliche. Und: Uri ist die Kompakte. Nichts ist fern, alles ist nah – und alles ist schroff und liegt im Stotzigen. Geht es mit dem Kanton also aufwärts? Uri ist doch schon ganz oben.»

Etwas weit weg vom «schönen» Kanton Uri ist, wie er meint, Christoph Nussbaumer, Chefredaktor der «Freiburger Nachrichten». Er hat daher auf ein Statement verzichtet. Bei der Wahlfeier des Bundespräsidenten Alain Berset im Dezember des vergangenen Jahres in Freiburg habe er allerdings Ständerat Josef Dittli aus Uri kennen gelernt. Wer weiss, vielleicht findet die nächste Begegnung in Uri statt.




Erich Herger
Urner Wochenblatt