Artikel 18 - noch 54 Tage bis zur Uri 18

Markus Zwyssig, Urner Zeitung

Architekten wollen die Flachlagerhallen erhalten

Was passiert mit den Gebäuden nach der Urner Wirtschafts- und Erlebnismesse?


Die Ausstellung 2016 auf dem Areal im Eyschachen stiess auf grosse Beachtung. Dabei hat das Architekturforum Uri dem Regierungsrat eine Petition für den Erhalt der Flachlagerhallen überreicht. FOTO: VALENTIN LUTHIGER

Die Ausstellung 2016 auf dem Areal im Eyschachen stiess auf grosse Beachtung. Dabei hat das Architekturforum Uri dem Regierungsrat eine Petition für den Erhalt der Flachlagerhallen überreicht. FOTO: VALENTIN LUTHIGER

Die «Uri 18» findet in architektonisch und kulturgeschichtlich bedeutenden Gebäuden statt. Nicht nur das Getreidesilo und das Sacklager sind erhaltenswert, findet Architekt Carlo Zampieri.

Im Gebiet Eyschachen in Altdorf befindet sich noch eine der wenigen grossen Flächen im Talboden, die von Industrie und Gewerbe genutzt werden kann. Auf 120 000 Quadratmetern bietet die Werkmatt Uri künftig Potenzial für bis zu 1000 neue Arbeitsplätze. «Es ist eine Chance für den Kanton Uri, dass sich das Gebiet zu einem eigentlichen Wirtschaftszentrum entwickeln kann», sagt Architekt Carlo Zampieri. Umso erfreulicher sei es, dass dabei in raumplanerischer und städtebaulicher Hinsicht sorgfältig vorgegangen und ein Quartiergestaltungsplan (QGP) ausgearbeitet worden sei. Trotzdem hat der Präsident des Architekturforums Uri Bedenken: «Leider stehen die drei Flachlagerhallen gemäss QGP zur Disposition.» Er würde es sehr schade finden, wenn die imposanten Hallen abgerissen würden. Das Architekturforum Uri hat deshalb dem Regierungsrat an-lässlich einer Ausstellung 2016 auf dem Areal eine Petition für den Erhalt der Flachlagerhallen überreicht.

Gespannt auf Hürlimanns Kunstsilo

Denkmalgeschützt sind das Sacklager von Ingenieur Robert Maillart sowie das Silo von Züblin & Cie. Froh ist Carlo Zampieri, dass Mäzen Christoph Hürlimann das denkmalgeschützte Getreidesilo vom Kanton erworben hat und das Objekt zu einem Kunstsilo umbauen will. Er ist sehr gespannt, was entsteht, vor allem auch, weil er sich bisher gar nicht richtig vorstellen konnte, wie man das Bauwerk umnutzen könnte. Ungewiss ist hingegen die Zukunft der Flachlagerhallen, die nach Plänen des Ingenieurs Jakob Wyrsch anfangs der Kriegsjahre 1939/40 erschaffen worden sind. Entstanden sind die Gebäulichkeiten als Bauten für Notsituationen. Die ehemaligen eidgenössischen Getreidemagazine wurden insbesondere im Ersten und Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges genutzt.

Nutzung für Ausstellungen sowie Theater- und Musikprojekte

In den vergangenen Jahren ist es in den Hallen ruhiger geworden. Die «Uri 06» fand hier statt. Menschen aus Teheran und aus Zürich haben im Rahmen der Tellspiele ein Theaterstück oder Musiker ein besonderes Projekt zum Alpentöne-Festival aufgeführt. Nun findet in den Räumlichkeiten die Urner Wirtschafts- und Erlebnismesse Uri 18 statt. – Der Kanton und die Wirtschaftsförderung setzen sich dafür ein, dass in der Werkmatt Leben aufkommt. Neue Betriebe sollen sich hier ansiedeln. So investiert die öffentliche Hand in das Gebiet zwischen dem geplanten Kantonsbahnhof und dem neuen Autobahn-Halbanschluss Altdorf Süd einen zweistelligen Millionenbetrag in die Planung und Erschliessung. Der Landverkauf erfolgt durch den Kanton. Eine erste Parzelle von 6000 Quadratmetern wurde an die Firma Kässbohrer Schweiz AG verkauft. Diese soll dort rund 30 neue Arbeitsplätze schaffen.

«Grosses Potenzial»

Architekt Carlo Zampieri hofft, dass in der Werkmatt in Altdorf ein lebendiges Dienstleistungszentrum gebildet wird. «Gerade das Zusammenspiel von Alt und Neu ergibt eine spannende Mischung», sagt er. «Die bauhistorisch und kulturell bedeutenden Flachlagerhallen haben ein grosses Potenzial, dass daraus etwas Neues entstehen könnte.» Möglich wäre es seiner Meinung nach, die Hallen umzuformen und weiterzubauen, wenn deren charakteristischen strukturellen Merkmale erhalten bleiben.
Die Flachlagerhallen bilden auch im Aussenraum ein stimmiges und einzigartiges Ensemble zusammen mit dem Silo und Sacklager. Denn diese drei unterschiedlichen Gebäudetypologien würden auf kleinem Raum viel Geschichte, Architektur und räumliche Qualitäten bieten, wie es nur selten anderswo zu finden sei. «Der Erhalt der bestehenden Bauwerke inklusive der Flachlagerhallen ist für den Kanton Uri eine einmalige Chance, die man unbedingt packen sollte, damit ein unverwechselbares Quartier entstehen kann.»




Markus Zwyssig
Urner Zeitung