Artikel 7 - noch 236 Tage bis zur Uri 18

Mathias Fürst, Urner Wochenblatt

Uri – ein Kanton fleissiger Pendlerinnen und Pendler

Urner Wirtschaft | Warum Stefan Hildenbrand vier Mal pro Woche nach Bern pendelt Um an den Arbeitsplatz zu gelangen, ist für die meisten Urner Pendeln eine Realität. Doch warum nehmen einige auch einen mehrstündigen Arbeitsweg in Kauf? Ein Beispiel.


Warten auf den Tellbus. So beginnt der Arbeitstag des Altdorfers Stefan Hildenbrand, der in Bern arbeitet. Foto: Mathias Fürst

Warten auf den Tellbus. So beginnt der Arbeitstag des Altdorfers Stefan Hildenbrand, der in Bern arbeitet. Foto: Mathias Fürst

Die Urner sind ein Volk von Pendlern. Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen im Kanton Uri pendeln zu ihrem Arbeitsplatz, sagt das Bundesamt für Statistik (BFS). Die meisten von ihnen tun dies auf einer kurzen Strecke, von Seedorf nach Altdorf, von Silenen nach Erstfeld oder von Hospental nach Andermatt beispielsweise. Doch Urnerinnen und Urner sind als Arbeitskräfte auch ausserhalb des Kantons gefragt. So pendeln viele in die nahen Wirtschaftszentren wie Luzern oder Zug und andere nehmen gar einen noch weiteren Weg auf sich. Etwa 1000 Urnerinnen und Urner, schätzt das BFS, legen einen Arbeitsweg von mehr als 1 Stunde zurück. Einer davon ist Stefan Hildenbrand aus Altdorf. Der 35-jährige Doktor der Informatik arbeitet als Business Analyst einer Softwareconsulting-Firma für die SBB in Bern. Vier Mal in der Woche nimmt er den Weg in die Bundesstadt auf sich, von Tür zu Tür knapp 2 ½ Stunden – pro Weg wohlgemerkt.


Warum tut er das?
«Für mich stimmt das so», meint er. Er kenne es auch kaum anders. Seit er die Matura in der Tasche hat, sei er eigentlich immer gependelt. Während des Studiums als Wochenaufenthalter in Zürich, für das Doktorat dasselbe in Deutschland. Für die Arbeit pendelte er schon nach Sihlbrugg, Winterthur und nun eben, seit gut drei Jahren, nach Bern.


Auf die Strecke kommt es an
Das Pendeln über Luzern nach Bern sei angenehm, findet Stefan Hildenbrand. «Ich habe zweimal während 1 Stunde meinen Platz für mich.» Die Strecke nach Winterthur sei im Vergleich dazu «der Horror» gewesen: sehr viele Leute im Zug nach Zürich, die «irgendwie eine andere Einstellung zum Pendeln hatten», wie Stefan Hildenbrand meint. Alles sei hektischer gewesen, mit Leuten, die schon lange vor Zürich zu den Ausgängen drängten, um möglichst schnell zur nächsten S-Bahn oder aufs Tram zu hetzen. Das Schlimmste sei aber gewesen, für das letzte Teilstück noch auf den Bus angewiesen zu sein. «Denn das war wirklich tote Zeit, die sich nicht nutzen liess.» Das will etwas heissen. Schliesslich ist Stefan Hildenbrand relativ grosszügig darin, Zeit als produktiv zu betrachten. So sieht er die Viertelstunde Fussmarsch, die er in Altdorf zur Bushaltestelle am Telldenkmal sowie in Bern vom Bahnhof zum Arbeitsplatz zurücklegt nicht als verlorene Zeit, sondern, zusammengezählt, als «meine tägliche Stunde Bewegung». 1 Stunde pro Weg nutzt er zum Arbeiten, was vom Arbeitgeber auch akzeptiert werde. So ist er am Abend trotz des weiten Wegs auch zeitig wieder zu Hause, meist um etwa 18.10 Uhr. Rechtzeitig, um noch etwas von seiner knapp zweijährigen Tochter zu haben.

Die Familie und das Umfeld sind denn auch der Grund, weiterhin im Kanton Uri zu wohnen. So habe er sich durchaus schon überlegt, in die Nähe seines Arbeitsorts zu ziehen. Doch dann lernte er seine Frau kennen, eine Bristnerin. «Für sie war schon der Umzug nach Altdorf ein grosser Schritt», sagt er. So sind auch die Grosseltern der Tochter in der Nähe, die bei der Betreuung mithelfen, und bald kommt das zweite Kind auf die Welt. Also bleibt die Familie vorläufig im Kanton Uri.


Einiges muss zusammenpassen
Damit die Pendelei über so eine weite Distanz klappt, müsse aber einiges zusammenpassen, betont Stefan Hildenbrand. «Mein Job eignet sich gut zum Pendeln», ist so ein Punkt. Die Flexibilität und Unterstützung des Arbeitgebers ein weiterer. Ausserdem habe Uri einiges unternommen, um das Pendeln zu erleichtern, findet Stefan Hildenbrand. Etwa die Busverbindung nach Luzern. «Ohne Tellbus ginge es nicht», hält er fest. So lange diese Elemente so gut zusammenspielen wie im Moment, könne er sich gut vorstellen, weiterhin zu pendeln. Relevant sei dabei in erster Linie, wie man sich das Pendeln einrichten könne und weniger die Distanz.


Das «Urner Wochenblatt» und die «Urner Zeitung» publizieren im Vorfeld der «Uri 18» unter der Rubrik «Noch x Tage bis zur Uri 18» mehrere gemeinsame Beiträge zur Urner Wirtschafts- und Erlebnismesse im September 2018.




Mathias Fürst
Urner Wochenblatt