Fed schickt Wall Street auf Talfahrt

Die US-Notenbank hält eine besonders unangenehme Kombination bereit: Die Zinsen steigen, während der Fed-Chef gleichzeitig seine Einschätzung der Konjunktur nach unten revidiert. Entsprechen fallen die Aktienkurse. Der Dollar dagegen profitiert.

Die US-Notenbank hat die Wall Street unter Druck gebracht. Der Dow-Jones-Index fiel vom Tageshoch um 730 Punkte. Die Zinserhöhung, vor allem aber die Aussagen über den künftigen Zinspfad wurden als „falkenhaft“ gesehen. Zwar projektiert die Fed für 2019 nur noch zwei statt bisher drei Zinserhöhungen. Zugleich hielt sie aber an ihrer Aussage fest, dass weitere graduelle Zinserhöhungen nötig sein werden.

An den Märkten war aber vielfach eine deutlichere Abkehr vom bisherigen Kurs der geldpolitischen Straffung erwartet worden, da die Sorge um die weltweite Konjunktur zunimmt. Dazu kam noch, dass Fed-Chef Jerome Powell eine moderatere Wirtschaftsentwicklung 2019 erwartet und ergänzte, die Geldpolitik werde weniger stützen. Diese Kombination habe die Unsicherheit an den Märkten noch verstärkt, sagte Matthews Bartolini von State Street Global Advisors. Mit den Fed-Aussagen legte der Dollar zu, während Gold nachgab.

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,5 Prozent auf 23.324 Punkte. Der S&P-500 verlor ebenfalls 1,5 Prozent. Der Nasdaq-Composite schloss mit einem Abschlag von 2,2 Prozent.

Die Konjunkturdaten standen im Schatten der Zinsentscheidung. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist im dritten Quartal zwar gestiegen, aber nicht ganz so stark wie erwartet. Nach vorläufigen Berechnungen betrug das Defizit 124,82 Milliarden Dollar.

Dollar profitiert von Fed-Ausblick

Auch die anderen Märkte standen im Bann der Fed-Aussagen. Der Dollar holte das Gros der Tagesverluste auf, nachdem er zuvor geschwächelt hatte. Der Euro sank wieder unter 1,14 Dollar zurück. Im späten Geschäft notierte er bei 1,1369. Die Aussicht auf weitere graduelle Zinsschritte stützte den Greenback.

Der Goldpreis fiel mit den Fed-Aussagen zurück, da der Zinspfad steiler ist als viele Marktakteuer erwartet hatten. Gold wird bei steigenden Zinsen weniger attaktiv, da es selbst keine Zinsen abwirft. Auch der festere Dollar drückte den Preis. Die Feinunze verlor 0,6 Prozent auf 1.242 Dollar nach einem Tageshoch bei 1.258 Dollar.

Nach dem Absturz am Vortag stabilisierten sich die Ölpreise, gestützt auch von den eher bullischen Daten der wöchentlichen US-Rohöllagerbestände. Sie sind um knapp 0,5 Millionen Barrel gesunken, während die am Vorabend bekannt gegebenen API-Daten eine Zunahme um 3,45 Millionen Barrel ausgewiesen hatten. Zudem signalisierte der saudische Energieminister laut Berichten, dass die Opec, Russland und andere Produzenten im April 2019 mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Förderbegrenzung zeitlich ausweiten werden.

Am Dienstag hatten steigende Konjunktursorgen die Preise auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten fallen lassen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg zum Settlement um 2,1 Prozent auf 47,20 Dollar, für Brent ging es um 0,7 Prozent auf 55,65 Dollar nach oben.   

Panik bei FedEx-Anlegern

Bei den Einzelwerten verlor die FedEx-Aktie gut 12 Prozent. Der Logistiker senkte seine Jahresprognose und warnte vor einer globalen Konjunkturabkühlung. Das Unternehmen will dem mit einem freiwilligen Abfindungsprogramm für Mitarbeiter entgegentreten. Das Ausmaß des Stellenabbaus wollte FedEx nicht nennen.

Facebook sackten um 7,2 Prozent ab. Einem Medienbericht zufolge hat der Konzern großen Technologieunternehmen mehr Zugang zu persönlichen Daten verschafft als bislang eingeräumt.

Die Titel von Micron Technology fielen um 7,9 Prozent. Der Halbleiterhersteller hat im ersten Geschäftsquartal zwar bei höheren Umsätzen die Marge kräftig gesteigert. Jedoch sei die Nachfrage nach Speicherchips aktuell schwächer als erwartet, weshalb sowohl die Produktion als auch die Investitionen gesenkt werden. Zudem enttäuschte der Ausblick auf das laufende Quartal. Das belastete auch andere Aktien aus dem Technologie-Sektor. Intel (minus 4,6 Prozent) und Nvidia (minus 5,7 Prozent) gaben ebenfalls nach. Der Halbleitersektor verlor 4,4 Prozent.

Die Papiere von Pfizer fielen um 1 Prozent. Die beiden Pharmakonzerne Glaxosmithkline und Pfizer legen ihre Geschäfte mit Gesundheitsmitteln zusammen. In einigen Jahren könnte das Milliardengeschäft auch an die Börse gebracht werden. Der Sektor stehe in den kommenden Jahren vor enormen Herausforderungen, etwa wegen des zunehmenden Wettbewerbs und Margendrucks, hieß es von CMC. Der Deal sei ein Schritt, sich für diese Entwicklungen zu rüsten.

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